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Kimo Von Rekowski

Läuft man durch die Straßen von Neukölln, Kreuzberg oder Mitte, fallen sie einem schnell auf: die sogenannten Brandwände, also flache, fensterlose Seitenwände von Altbauhäusern. Auf den ersten Blick sind sie weder architektonisch besonders wertvoll noch dem Stadtbild besonders zuträglich, auf den zweiten dann aber die Grundlage für das Geschäftsmodell von Kimo von Rekowski.

Kimo von Rekowski hat eine bewegte Geschichte hinter sich: 1985 wurde er in Berlin geboren und wuchs in Schöneberg auf. Mit 15 zog er von zu Hause aus und entkam ein paar Jahre später nur knapp einer Freiheitsstrafe. „Wenn ich heute darüber nachdenke, bereue ich das alles sehr“, so Kimo, der, vom Richter ein letztes Mal begnadigt, für ein Jahr zur Bundeswehr ging, daraufhin als Koch arbeitete und mit 19 ein kleines Unternehmen für Computer-Accessoires gründete. Heute, und dafür braucht er die Brandwände, realisiert er großflächige Wandbemalungen für Werbekunden aus den unterschiedlichsten Branchen.

Gemeinsam mit zwei Freunden beschloss Kimo vor vier Jahren, selbstständig zu werden und seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Streetart und Graffiti sind seitdem nicht mehr nur Hobby für ihn, sondern Arbeit. Drei bis fünf Tage brauchen freischaffende Graffiti-Künstler, um eine Wand mit dem gewünschten Motiv zu bemalen. Aber nicht nur Werbekunden stehen die Wände, von denen Kimo und seine Geschäftspartner mittlerweile über 100 Stück angemietet haben, zur Verfügung: „Wir bieten befreundeten Künstlern aus aller Welt unsere Wände auch mal kostenlos an.“ Den Bezug zur Kunst und zur Streetart-Szene hat Kimo offenbar nicht verloren. Trotzdem stößt sein Geschäftsmodell auf Kritik in der Szene, die sich ja auch über ihre Abneigung gegenüber Konsum, Kommerz und großen Unternehmen definiert. Wirklich stören tut das Kimo nicht: „Uns ist eigentlich egal, was andere Leute darüber sagen. Wir fühlen uns sehr wohl mit dem, was wir tun.“

Derzeit arbeitet Kimo noch an einem weiteren Projekt. Es heißt „The Haus“, ist sinnigerweise ein Haus und liegt direkt am Kurfürstendamm im Berliner Westen. Hier hat er gemeinsam mit seinen Freunden Jörn und Bolle 169 Künstlern aus der Streetart-Szene die Möglichkeit geboten, Wände, Decken und Böden mit ihren Werken zu überziehen. Für Besucher ist „The Haus“ kostenlos. Die Arbeitsmaterialien, die Miete und die 200 Kisten Bier, die die Künstler während der Schaffensphase getrunken haben, werden von Freunden und großzügigen Gönnern bezahlt.

„The Haus“ befindet sich in Charlottenburg, Kimo ist in Schöneberg aufgewachsen, arbeitet heute in Mitte und wohnt mit Frau und Kindern im ruhigen Wilmersdorf – und trotzdem ist er einem Berliner Stadtbezirk ganz besonders verbunden: Kreuzberg. „Mein erstes Büro war hier und in der Gegend um den Görli war ich als Kind und Jugendlicher oft unterwegs. Mittlerweile ist hier immer sehr viel los.“

Ab und zu schaut er trotzdem noch vorbei. Zum Mittagessen trifft Kimo einen guten Freund im Hühnerhaus 36, einer stadtbekannten Hähnchenbraterei direkt an der Bahnlinie U1. „Im Hühnerhaus habe ich große Teile meiner Jugend verbracht. Wenn ich genug Geld hatte, habe ich mir immer ein Hähnchen dort geholt, das war ein richtiges Highlight. Und wenn ich heute dort bin, kommen ganz viele Erinnerungen hoch.“ Der Ort hat ohnehin etwas sehr Nostalgisches. Auf den von den unzähligen Gästen gezeichneten Tischen stehen große Schüsseln mit eingelegtem Gemüse, an der Speisekarte dürfte sich in den letzten Jahrzehnten rein gar nichts geändert haben und überhaupt merkt man, dass das Hühnerhaus aus einer Zeit stammt, in der es in Berlin weder hippe Modeboutiquen noch Start-up-Millionäre gab.

Das Musik & Frieden, ein Nachtclub, gibt es hingegen noch nicht allzu lang. Trotzdem mag Kimo es hier sehr. „Die alten Kreuzberger gehen ins Musik & Frieden, auch deshalb, weil der Laden von einem alten Kreuzberger betrieben wird.“ Hier finden regelmäßig Konzerte statt, die Bar ist gut und das Publikum ist genauso, wie Kimo es mag: durchsetzt von Ur-Berlinern und Alteingesessenen.

Das ist nicht mehr überall so. Kimo von Rekowski merkt sehr wohl, dass sich seine Heimatstadt verändert. Seine Wut auf die vielen Zugezogenen, die besonders Viertel wie Kreuzberg mittlerweile prägen und große Teile dessen verdrängt haben, wofür er Berlin so sehr schätzt, hat er aber mittlerweile überwunden: „Ich finde, man ist Berliner, wenn man sich hier zu Hause fühlt. Ganz egal woher man kommt.“